Tag für Tag stehen Millionen Passagiere weltweit an den Sicherheitskontrollen der Flughäfen und gucken mit entsetzten Blicken dem Personal dabei zu, wie es einzelne Artikel aus dem Handgepäck entfernt und oftmals mit einem neckischen Hinweis in einer Abfalltonne entsorgt. Der erste Schock, schon bevor man überhaupt das Flugzeug betreten kann. Seit 2006 geltend die aktuellen Handgepäckbestimmungen nahezu unverändert, doch noch immer herrscht bei vielen Reisenden Ungewissheit: Was darf ins Handgepäck? Und was nicht?

Grundsätzlich gelten für euren Flug die Handgepäckbestimmungen der jeweiligen Fluggesellschaft, wenn es um die Frage der zulässigen Handgepäckmaße und des erlaubten Gewichts geht. Die deutschen Airlines haben sich mittlerweile bei einem recht ähnlichen Niveau eingependelt, so gelten zum Beispiel bei Condor, TUIfly (beide 6 KG) sowie Air Berlin und Germanwings (beide 8 KG) übergreifend 55 x 40 x 20 cm als Höchstmaße in der Economy Class. Doch wesentlich kniffliger ist die Frage, mit welchem Inhalt ich denn mein Handgepäck tatsächlich füllen darf. Ist die Nagelschere erlaubt? Darf ich ein Deodorant dabei haben? Und was ist mit einer kleinen Flasche Wasser? Wir verschaffen euch einen Überblick!

 

Flüssigkeiten im Handgepäck: Wo liegt die genaue Grenze?

Gerade das Thema Flüssigkeiten im Handgepäck ist immer wieder Stein des Anstoßes. Zwar handhaben längst nicht alle Flughäfen die Bestimmungen penibel genau, doch wenn es zu einer strikten Kontrolle kommt, ist die Frustration in aller Regel groß. Für alle Flüge, die an einem Airport innerhalb der EU beginnen oder im EU-Gebiet eine Umsteigeverbindung beinhalten, gelten die Verordnungen der Europäischen Union. Demnach sind Flüssigkeiten im Handgepäck nur dann erlaubt, wenn das Volumen des zugehörigen Behältnisses die Größe von 100 ml nicht übertrifft und das Behältnis in einem transparenten, wiederverschließbaren Beutel (z.B. handelsübliche Zipbeutel) mit einem Gesamtvolumen von maximal einem Liter mitgeführt wird.

Das heißt im Klartext: Eine 100ml Parfümflasche ist erlaubt, eine 150ml Parfümflasche ist jedoch auch dann verboten, wenn sie nur noch halb gefüllt ist. Es kommt auf das Volumen des Behältnisses an, nicht auf den tatsächlichen Füllstand! Ausnahmen gelten für Medikamente sowie Spezialnahrung, z.B. Babynahrung, die während eurer Reise benötigt werden. Die Notwendigkeit ist auf Verlangen nachzuweisen (z.B. durch ein Attest). Seit 31. Januar 2014 dürfen Duty Free-Flüssigkeiten, die am Flughafen oder eurer Fluggesellschaft erworben wurden, als Handgepäck mitgenommen werden. Eine Maximalgröße hierfür besteht nicht, jedoch müssen die Flüssigkeiten zusammen mit dem Kaufbelegt in einer „Security Bag“ mit rotem Rand versiegelt werden. Grundsätzlich müssen alle Flüssigkeiten für die Luftsicherheitskontrolle aus eurem Handgepäck genommen und dem Personal separat vorgelegt werden.

Was darf ins Handgepäck? Bestimmungen zu Flüssigkeiten 2014

Was darf ins Handgepäck? Bestimmungen zu Flüssigkeiten 2014 (Herausgeber: BMI, Bundespolizei)

Bitte beachtet unbedingt, dass unter den Begriff „Flüssigkeiten“ auch Gele und sogenannte Aerosole fallen. Die Regelung für das Handgepäck betrifft also alle Substanzen, die bei Raumtemperatur flüssig, zähflüssig, gelartig, cremig oder von ähnlicher Konsistenz sind (somit auch Lotionen, Deos und Crèmes).

 

Nagelschere, Zippo-Feuerzeuge, Taschenmesser: Was darf ins Handgepäck?

Doch neben den Flüssigkeiten gibt es auch noch andere Stolpersteine beim Thema Handgepäck. Wie sieht es zum Beispiel mit einer ganz normalen Nagelschere aus? Darf ich diese mit ins Flugzeug nehmen? Die Bundespolizei hat eine ganze Liste der verbotenen Gegenstände im Handgepäck veröffentlicht, wobei viele Punkte für die meisten Passagiere wohl keine Überraschungen darstellen: Verboten sind unter anderem Pistolen und Gewehre, Apparate zur Viehbetäubung, Bohrmaschinen und Schlagstöcke. Dennoch sind auch einige Dinge auf der Liste zu finden, die unter Umständen in eurem eigenen Handgepäck landen könnten – Nagelscheren zum Beispiel.

Taschenmesser und Nagelscheren sind nämlich nur mit einer Klingenlänge von bis zu 6 Zentimetern erlaubt, dann fallen sie gemeinsam mit Einwegrasierern unter den Begriff der „Dinge für den täglichen Gebrauch“. Dies gilt nach TSA-Regelungen auch für USA-Flüge, sofern die Klinge bei Messern nicht einrasten kann oder fixiert ist sowie schmaler als 1,3 cm ist. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Wenn ihr Schere und Messer auf dem Flug nicht unbedingt braucht, erspart euch mögliche Diskussionen und packt sie von vornherein ins aufgegebene Gepäck oder lasst sie besser zu Hause. Nagelpfeilen dürften im Regelfall (abgesehen von Papierpfeilen) die zulässigen Maße überschreiten und sind daher im Handgepäck verboten.

Das Handgepäck wird gescannt und auf verdächtige Gegenstände untersucht

Das Handgepäck wird gescannt und auf verdächtige Gegenstände untersucht

Auch bei Feuerzeugen ist genauer hinzuschauen – handelsübliche „Einwegfeuerzeuge“ sind kein Problem, offiziell im Handgepäck aber auf ein Feuerzeug pro Passagier beschränkt. Gas-Feuerzeuge, zum Beispiel die beliebten Zippos, sind generell im Handgepäck nicht gestattet.

 

Von Laptops bis Souvenirs: Was gilt es noch zu beachten?

Technische Geräte im Handgepäck sind üblicherweise kein Problem, ganz gleich ob Laptop, MP3 Player, Tablet PC oder Smartphone. Wichtig ist selbstverständlich, dass die Geräte im Rahmen der zulässigen Handgepäck-Maße sicher verstaut werden können und somit zum Beispiel in Gefahrensituationen kein Hindernis für euch oder andere Passagiere darstellen. Mittlerweile ist es an vielen Flughäfen üblich, dass insbesondere Laptops bei den Sicherheitskontrollen gesondert gescannt werden. Bitte beachtet hierzu die Hinweise der Behörden oder sprecht einen Mitarbeiter an, ob der Laptop ggf. separat auf das Band gelegt werden soll. Übrigens ist mitgebrachtes Essen grundsätzlich im Handgepäck erlaubt, sofern es sich nicht um „flüssige“ Substanzen oberhalb der 100ml Grenze handelt (z.B. Nutella, Marmelade, Joghurt, Frischkäse). Es obliegt jedoch den Fluggesellschaften den Verzehr von mitgebrachten Speisen an Bord zu beschränken, zudem greifen die Einfuhrbestimmungen des Ziellandes.

So kann es in einigen Ländern zum Beispiel streng verboten sein, Obst oder Milchprodukte aus „Übersee“ einzuführen. Wie immer schützt Unwissenheit vor Strafe nicht, daher solltet ihr unbedingt die regionalen Bestimmungen lesen oder besser gleich auf den Import von Lebensmitteln im Handgepäck verzichten. Ein noch größeres Risiko birgt die Mitnahme von Souvenirs aus Urlaubsländern auf dem Heimweg. Zehntausende Mitbringsel von bedrohten oder geschützten Arten werden Jahr für Jahr vom Zoll beschlagnahmt, weshalb ihr im Urlaub genau darauf achten solltet, aus welchen Materialien eure Souvenirs hergestellt sind und im Zweifel lieber darauf verzichtet. Ob Elfenbein-Schnitzereien, Handtaschen aus Tierleder oder mitgebrachte Pflanzen – der „Teufel“ lauert oftmals im Detail.

Bei Verstößen gegen Artenschutzbestimmungen drohen empfindliche Strafen

Bei Verstößen gegen Artenschutzbestimmungen drohen empfindliche Strafen

Zur Orientierung hat der Zoll hat für jedes Urlaubsland eine Liste der geschützten Pflanzen und Tierarten sowie daraus entstandener Erzeugnisse zusammengestellt. Oder wusstet ihr, dass die vielerorts angebotenen Muschelschalen in Ägypten eigentlich gar nicht eingeführt werden dürfen? Schaut unbedingt mal rein, wir wünschen euch einen stressfreien und wunderbaren Urlaub!

 


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